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Eigenschaften

  • sommergrüne, kleine bis mittelgroße Bäume
  • Pioniergewächse in Symbiose mit Stickstoff-fixierenden Bakterien
  • angepasst an nasse Standorte
  • wachsen in Auen, Sümpfen, Uferregionen, Hanglagen
  • Pioniergewächse, Symbiose mit Stickstoff-fixierenden ...

Erlen

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Die Erlen sind eine sagenumwobene Pflanzengattung. Gebiete mit Erlenbestand waren angeblich Heimat der griechischen Zauberin Kirke, die Odysseus gefangen hielt. Die Nymphe Kalypso, keltische Druiden und Hexen waren unabhängig voneinander in erlenbewachsenen Gegenden zugange.

1754 beschrieb der britische Botaniker Philip Miller die volkskundlich mystische Gattung in wissenschaftlicher Hinsicht. Erlen (bot. Alnus) gehören zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Dies sind getrenntgeschlechtliche, sommergrüne Bäume.
Die Laubbaum-Gattung Alnus umfasst über 30 Arten, von denen drei in Mitteleuropa heimisch sind. Erlen sind typische Erstbesiedler, die anderen Arten den Weg ebenen und unwirtliche Gebiete urbar machen. An hohes Wasseraufkommen gewöhnt, erscheinen sie erhaben und elegant. Gleichzeitig wirken sie mit ihren kleinen, rundlichen Blättern verspielt und zart. Ihr feines, formbares Holz liefert Material für Möbel und Musikinstrumente.

Blatt

Das dichte und imposant wirkende Blattwerk der Erle erstrahlt in den schönsten Grüntönen. Das einzelne, gestielte Blatt erreicht bis zu neun Zentimeter Länge. Je nach Sorte ist es symmetrisch, rundlich, eiförmig oder spitz zulaufend. Die Blattspitze ist nicht immer vorhanden. Die Blattadern gehen parallel von der Blattspreite ab. Die Blattoberseite ist glatt, die Unterseite geringfügig dunkler und zum Teil filzig behaart. Der Blattrand ist fein bis grob gezackt oder gesägt. Die Blattstellung ist wechselständig.

Im Herbst beginnt für den Baum, ausgelöst durch die veränderte Dauer und Intensität des einfallenden Tageslichtes, der Überwinterungszustand. Dieser Zustand entzieht den Blättern das Blattgrün. Durch die zurückbleibenden Blattfarbstoffe, wie Carotiniode und Xanthophyll, färbt sich das Erlenlaub braun. Schließliech stirbt es ab und fällt herunter.

Blüte

Die Blütenstände der Betulaceae heißen Kätzchen. Vorjährig angelegt, überwintern sie frei. Erlen sind getrenntgeschlechtlich und einhäusig, weibliche und männliche Blüten sitzen auf einem Baum. Der Begriff Pollen bezeichnet mehligen Blütenstaub, der viele männliche Mikrosporen enthält.
Erlenblüten entlassen diesen im März und April vor dem Sprießen der Blätter aus den prägnanten, herabhängenden männlichen Blüten. Windbefruchtete Pflanzen verschleudern massenhaft Blütenpollen und bereiten Allergikern Schwierigkeiten. Vereinigen sie sich mit den Makrosporen der unscheinbaren weiblichen Blüten, entsteht die Frucht.

Frucht

Die Einzelfrüchte der Erlen sind Nüsschen. Im Samen befindet sich ein Embryo mit zwei verdickten flachen Keimblättern. Die einzelnen Samen befinden sich in den umgebildeten ehemaligen weiblichen Blüten. Die zunächst grünen Zapfen dunkeln später nach, werden bäunlich, verholzen und überdauern am Baum.

Wuchs

Die kleinen bis mittelgroßen, schlanken Bäume werden bis zu 25 Meter hoch. Ihre Rinde hat sogenannte Lentizellen. Diese Korkporen wirken wie Atemöffnungen und dienen dem Luftaustausch. Korkwarzen sind sichtbar und dienen als biologische Anpassung an eine nasse Außenumgebung. Eine weitere sind Stelzwurzeln. Dicht verzweigt und korkwarzenbesetzt ragen diese über das Erdreich hinaus.

Das glatte Abschlussgewebe junger Erlenstämme ist meist Kork. Mit zunehmendem Dickenwachstum und Alter bekommt er oft Risse und Furchen. Die Rinde mancher Erlensorten verholzt, wird schuppig und borkig. Luftleitungsgewebe im Stamminneren ist ein zusätzliches Standort-Anpassungsmerkmal der Gattung Alnus.

Standort

Erlen zählen zu den Pionierpflanzen. Diese pflanzlichen Vorreiter besiedeln kahle, karge Untergründe wie Deponien und Abraumhalden und legen den Grundstein zum Aufbau eines neuen Ökosystems. Eine besondere Fähigkeit, die dies der Pflanze ermöglicht, erwächst aus ihrer Symbiose am Wurzelwerk lebenden Aktinomyzeten (Frankia alni). Diese sind in der Lage, Luftstickstoff zu binden und in Form von Stickstoffverbindungen an den Boden abzugeben. Dieser Prozess nennt sich Stickstoff-Fixierung. Solche Verbindungen dienen der Pflanze als profitabler Nährstoff. Der Vorteil für die Bakterien liegt in der Anlieferung des Stickstoffs und den Schutz durch die Pflanze.
Durch die Korkwarzen gelangt Luft in alle Pflanzenteile. Das Zusammenleben zum beiderseitigen Vorteil (Symbiose) von Erle und Aktinomyzet führt zur Nährstoffanreicherung des Bodens. Weitere Pflanzen keimen leichter aus. Es entstehen große Reinbestände dieses Gruppengehölzes, später folgen weitere Arten nach.

Erlen bevorzugen nasse Standorte. Trockenheit des Bodens vertragen sie bedingt. Sandig-lehmige, torfige oder kiesige Böden in schwach sauren bis alkalischen pH-Bereichen liegen in der Toleranz. Geeignete Standorte im Garten finden Erlen an sonnigen oder halbschattigen Plätzen auf gut durchfeuchtetem, humosem und kalkfreiem Substrat. Fernab eines Gewässers empfiehlt sich das Mulchen und Einschlämmen des Bodens. Wichtig ist, den Pflanzabstand von fünf bis sechs Metern zwischen den einzelnen Pflanzen einzuhalten. Ein Baum der Gattung Alnus wächst in Kultivierung auf bis zu 30 Meter Höhe heran.

Verbreitung

Endemisch sind Erlen in den gemäßigten Klimazonen der Nordhalbkugel. Ein Drittel aller Arten stammt aus Nordamerika. Feuchte Standorte Europas und Asiens beheimaten Erlenarten. In den Alpen sind sie auf bis 1200 Metern anzutreffen. Einige erreichen, an den Gebirgen entlang ziehend, südlichere Gebiete wie Nordafrika, Vietnam und Argentinien.

Nutzung

Die Hölzer von Erlen sind kleinporig und gleichmäßig strukturiert. Holzstrahlen sind unscheinbar. Die glatte Schnittoberfläche ist blassgelb bis rotbraun. Erlenhölzer finden ihren Einsatz im Möbelbau als Ersatz für andere Holzarten wie Kirsche und Mahagoni, in Sperrhölzern und beim Herstellen von Instrumenten. Im Geigenbau findet das dünne, biegefähige Holz Anklang.

Früher fand Eichenholz Verwendung als Holzkohle, Schießpulver, zum Färben von Leder und als Baumaterial. Die Balken der weltberühmten Stelzenhäuser von Venedig bestehen aus diesem nässeunempfindlichen Rohstoff.

Im Garten bezaubert Alnus, allein stehend oder im Heckenbestand, mit erhabenem Wuchs und elegantem Erscheinungsbild. Diese Pflanzen befestigen lehmige, feuchte Böden oder Böschungen und verbessern die Bodenqualität.

Pflege/Schnitt

An Ufern benötigen Erlen keinerlei Bewässerung. An trockenen Plätzen benötigen sie in sommerlichen Trockenperioden, ausreichende Wassergaben. Der gewissenhafte Einsatz von Stickstoffdüngern ist anzuraten.

Die feinen Zweige der hochspezialisierten Pioniergewächse haben eine glatte, manchmal behaarte Rinde. Beim regelmäßigen Formschnitt nach dem dritten Lebensjahr empfiehlt es sich, unmittelbar nach der Blütezeit, unverzweigte Äste mit einer scharfen Baumsäge zu kürzen. Im Winter schützt ein Gartenvlies junge Erlen gegen starken Frost. Ältere Bäume sind frosthart.

Krankheiten/Schädlinge

Die Scheinpilzart Phytophthora alni verursacht die gefährliche Wurzel- oder Wurzelhalsfäule. Ein Befall ist an schwarzen, nässenden Flecken an der Borke erkennbar und führt zum Sterben ganzer Erlensäume. Die durch einen Pilz verursachte Kräuselkrankheit zeigt sich durch blasige, gewellte Blätter und lässt sich mit kupferhaltigen Fungiziden bekämpfen.

Typische Schädlinge der Erlen sind Erlenblattkäfer, Erlenblattsauger, Zwergzikaden und Gallmilben. Letztere verursachen knotenförmige Erhebungen, sogenannte Gallen, auf den Blättern.

Erlenkrebs verursacht Stammgeschwüre. Befallene Bereiche oder Äste sind herauszuschneiden. Eine im Totholz nachweisbare Pilzkrankheit ist die Weißfäule.

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