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Eigenschaften

  • ausdauernde krautige Pflanzen
  • schraubig gedrehter Blütenstand
  • intensiv duftende Blüten
  • anspruchslos und wenig pflegeintensiv
  • einige Arten vom Aussterben bedroht

Drehwurzen

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Die Spiranthes (bot. Drehwurzen) stellen eine Gattung in der Familie der Orchideen (Orchidaceae) innerhalb der Ordnung der Spargelartigen (Asparagales) dar. Die Pflanzengattung umfasst autorenabhängig 33 bis 60 hauptsächlich in Nordamerika heimische Arten.

Der botanische Gattungsname kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus Spirale (griech. Speira) und Blüte (griech. Anthos) zusammen. Der schraubig gedrehte Blütenstand ist charakteristisch für die Gattung Spiranthes. Im Deutschen tragen die Pflanzen die Trivialnamen Wendelorchis, Drehwurzen, Schraubenstendel oder Wendelähren. In unseren Breiten sind der Sommer-Drehwurz (Spiranthes aestivalis) und der Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis) beheimatet. Der Herbst-Drehwurz war im Jahr 2016 die Orchidee des Jahres. Der Sommer-Drehwurz zeigt sich in Europa westsubmediterran bis subatlantisch verbreitet. In Deutschland gedeihen die Pflanzen zum größten Teil in Bayern. Dort zeigen sie ihr Vorkommen im voralpinen Moor- und Hügelland. Der Schwerpunkt des Vorkommens liegt östlich des Chiemsee Hügellandes und südlich des Starnberger Sees. Beide Areale gelten als klimamilde Gebiete in Deutschland. Der Sommer-Drehwurz befindet sich in Bayern als stark gefährdete Art auf der Roten Liste, wobei der Trend zum Aufstufen geht. Damit befinden sich Spiranthes aestivalis in Deutschland in der Kategorie "vom Aussterben bedroht".

Blatt

Die Laubblätter der Drehwurzen wachsen dicht zusammen in einer Rosette. Seltener zeigen sie sich auf der unteren Hälfte des Sprosses wachsend. Die Form der Blattspreite ist linealisch bis oval. Der Blattgrund von Drehwurzen zeigt einen keilförmigen stiellosen Übergang in eine Blattscheide. Bei einigen Arten ist ein Stiel vorhanden, der sich weniger deutlich absetzt. Meist sind die Blätter hellgrün. Bereits zur Zeit der Blüte sind sie verwelkt.

Blüte

Der Blütenstand der Vertreter der Gattung Spiranthes ist endständig und steht aufrecht. Er ist eine vielblütige Traube, deren einzelne Blüten ein- oder mehrzeilig spiralig wachsen. Der Stiel des Blütenstandes zeigt in seinem oberen Abschnitt einen leichten Besatz mit Haaren. Hierbei handelt es sich um Drüsenhaare. Auch die Tragblätter der Pflanzen sind bei einigen Arten behaart. Ihre Hochblätter verhüllen zum Teil den Blütenstandstiel. Sie weisen die Form einer Röhre auf und laufen spitz zu.

Die Tragblätter sind in ihrer Form lanzettlich bis oval. Die Blüten von Spiranthes sind resupiniert. Darunter versteht sich das Drehen von Blüten, wodurch deren ursprünglich auf der Oberseite angeordneten Teile (adaxial) sich nach unten drehen. Sie erreichen damit eine abaxiale Lage (von der Sprossachse abgewendet). Damit dient die Lippe als Anflugorgan für bestäubende Insekten.

Die Blüten der Drehwurzen duften intensiv und sind hellgrün, hellgelb oder weiß, seltener rosa. Ihr Fruchtknoten ist verdreht, spindelförmig und weist dünne Haare auf. Er richtet sich nach oben. Die leicht nickende Blütenhülle ist röhrenförmig und steht waagerecht. Die Kelchblätter sind nahezu gleichförmig. Sie verwachsen nicht miteinander und weisen artabhängig an ihrer Außenseite eine leichte Behaarung auf. Die Ränder der drei außenliegenden Blütenblätter wachsen an der Basis aneinander. Sie bilden eine Röhre, deren Spitzen sich meist zurückgeschlagen zeigen. Die Kronblätter sitzen seitlich an den Blüten und haften sich an den außen liegenden Blütenblättern. Die Kronblätter sind lanzettlich bis spatelförmig. Die Lippe der Drehwurzen ist genagelt (verjüngt sich an der Basis abrupt). Ihr Nagel ist keilförmig und extrem kurz. Die Lippe zeigt eine Spreite, die in ihrem Querschnitt eine U-Form aufweist. Sie setzt sich nach unten hin fort und ist stark gebogen. Neben der Spreite befinden sich an der Basis zwei Nektardrüsen. Diese sind verdickt und nach hinten ausgerichtet. Häufig zeigt sich der vordere Rand der Lippe leicht wellig. Die Blütensäule ist keulenförmig und kurz. An ihrer Unterseite befinden sich feine Härchen. Die ovalen Staubblätter sind bei einigen Arten von einem feinen Gewebe der Blütensäule Säule umgeben (Klinandrium).

Das Pollinum, eine klebrige Pollenmasse, ist von gelblicher Farbe. In seiner Form zeigt es sich oval und sehr schmal mit einer tiefen Längsfurche. Das Pollinum hängt direkt oder an kleinen Stielen an einer Klebscheibe (Viscidium) mit länglicher Form. Die Narbe der Spiranthes Blüten ist oval bis halbkreisförmig. Zwischen dem Staubblatt und der Narbe befindet sich ein Trenngewebe, das dreieckig ist und seiner Spitze zweilappig mit v-förmigem Einschnitt. Durch diese Form entstehen zwei dünne und spitze Lappen, zwischen denen sich die Klebscheibe befindet. Das Bestäuben von Drehwurzen erfolgt durch verschiedene Bienen und Hummeln (Zoophilie). Einige Arten von Drehwurzen weisen ein zurückgebildetes Staubblatt auf. Diese Arten sind selbstbestäubend. Seltener kommen apomiktische Pflanzen vor. Das Fortpflanzen erfolgt ungeschlechtlich und die Nachkommen dieser Arten sind mit ihren Eltern genetisch identisch.

Frucht

Spiranthes bilden ovale Kapselfrüchte aus. Diese enthalten zahlreiche spindelförmige Samen.

Wuchs

Alle Arten der Gattung Drehwurzen wachsen terrestrisch. Sie sind kleine ausdauernde Pflanzen mit einem krautigen Wuchs. An der Basis ihres Sprosses entwickeln sich büschelartige Wurzeln. Diese sind unbehaart, fleischig, spindelförmig verdickt oder zylindrisch und schlank. Spiranthes erreichen eine Wuchshöhe bis 50 Zentimeter.

Standort

Drehwurzen bevorzugen gemäß ihrem natürlichen Vorkommen sonnige, luftige und offene Plätze. Sie gedeihen in lichten Wäldern oder auf luftigem Grasland. Sie gelten als enorm anpassungsfähig, gedeihen am besten auf leicht trockenen bis frischen Untergründen. Manche Arten zeigen ein spezialisiertes Anpassen an nasse Böden oder sporadisch überflutete Standorte. Der bei uns beheimatete Herbst-Drehwurz steht gerne auf Magerweiden mit kalkarmem Untergrund. Der vom Aussterben bedrohte Sommer-Drehwurz bevorzugt Kalk-Niedermoore sowie Kalk-Quellsümpfe.

Verbreitung

Die Vertreter der Gattung Spiranthes zeigen sich nahezu kosmopolitisch verbreitet. Das Zentrum ihrer Artenvielfalt befindet sich in Nord- und Mittelamerika. Im Norden Südamerikas weist die Gattung ebenfalls ein hohes Vorkommen auf. Ferner gedeihen Arten in Asien, Nordafrika und Europa. Das südost-asiatische Gebiet erstreckt sich über die indonesischen Inseln und Australien bis nach Neuseeland. Spiranthes wachsen bis in Höhenlagen von 3600 Metern.

Nutzung

In unseren Breiten dienen Drehwurzen in seltenen Fällen als Gartenpflanze. Einige Arten sind in wilder Form stark bedroht oder vom Aussterben bedroht. Teilweise finden sie sich im Gartenhandel als Zierpflanzen. Allerdings ist es schwer, Drehwurzen-Arten käuflich zu erwerben.

Pflege/Schnitt

Im Vergleich zu ihren Verwandten, den Orchideen, zeigen sich Drehwurzen anspruchslos und pflegearm. Staunässe vertragen sie nicht, da diese zur Wurzelfäule führt.

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