
Der Schnitt ist für viele Obstbäume eine der wichtigsten Pflegemaßnahmen überhaupt. Ein guter Schnitt trägt nämlich erheblich zur Gesundheit und dem Ertrag des Baumes bei. Andernfalls kann Dein Baum vergreisen oder instabil werden. So brechen Äste unter umständen durch die Fruchtlast ab. Ein Schnitt sorgt für folgende Vorteile:
Ohne Schnitt vergreisen viele Obstbäume. Die Krone wird dicht, Früchte bleiben klein und das Risiko für verschiedene Krankheiten wie etwa Pilzbefall steigt.
Der richtige Zeitpunkt hängt von Obstart und Ziel des Schnitts ab. Üblich sind zwei verschiedene Schnittzeiten: Der Winterschnitt und der Sommerschnitt. Generell können die meisten Obstbäume, die sich guter Gesundheit erfreuen, zu beiden Zeiten geschnitten werden. Beachte jedoch, dass die verschiedenen Schnittzeiten unterschiedliche Wirkungen auf Deine Obstbäume haben.
Winterschnitt (Januar bis März)
Der Winterschnitt ist der beliebtere der beiden Schnitte für Obstbäume. Zum einen fördert der Schnitt im Winter den Austrieb. Der Winterschnitt sollte an einem frostfreien Tag vor dem Austrieb vorgenommen werden. Obstbäume werden gern im Winter geschnitten:
Einige Bäume wie Aprikose, Feige und Pfirsich haben ihren Schnitt gerne etwas später im März bis April.
Sommerschnitt (Juli bis August)
Der Sommerschnitt ist besonders dann für Dich von Nutzen, wenn Du das Wachstum Deines Obstbaumes begrenzen willst. Hier entfernst Du überzählige Triebe und der Baum hat noch genug Zeit vor dem Winter die Wunden selbstständig zu schließen. Außerdem begünstigt ein Sommerschnitt die Abwehrmechanismen Deines Gehölzes vor Fäulnis. Folgende Obstsorten vertagen einen Sommerschnitt:
Es gibt kleine Abweichungen. Feigen möchten zum Beispiel nur im August geschnitten werden. Kiwis hingegen etwas früher von Juni bis Juli. Aprikosen und Pfirsiche mögen den Sommerschnitt etwas später zwischen August und September.
Je nach Alter des Baumes kommen unterschiedliche Schnittmaßnahmen infrage. Hier haben wir die wichtigsten Schnitt-Typen für Dich kurz erklärt.
Pflanzschnitt
Dieser Schnitt wird direkt nach dem Pflanzen durchgeführt. Ziel ist es:
Auf folgende Weise führst Du einen Pflanzschnitt korrekt an Deinem Obstbaum durch:
Damit die Äste nicht nach innen, in die Krone wachsen, solltest Du die Schnitte an bestimmten Stellen setzen. Das sind im Optimalfall knapp über nach außen gerichteten Knospenpaaren oder an einem gesunden Seitentrieb.
Erziehungsschnitt
Dieser Schnitt ist für Bäume in den ersten 3–7 Standjahren gedacht. Er soll dafür sorgen, dass der Baum eine gesunde Grundstruktur und die optimale Stabilität erhält. Ein korrekt angewendeter Erziehungsschnitt sorgt für folgende Vorteile:
So solltest Du einen Erziehungsschnitt durchführen:
Ein Wasserschoss bzw. Wassertrieb ist ein neu entstehender Trieb, der vertikal in die Höhe wächst. Oft entstehen sie direkt am Stamm und können eine Konkurrenz zum bestehenden Leittrieb nach oben darstellen. Daher sollten sie regelmäßig entfernt werden.
Erhaltungsschnitt
Dieser Schnitt wird in der Ertragsphase angewendet, also in der Zeit, die Dein Baum Früchte trägt. Die Ziele dieses Schnitts sind folgende:
Folgende Schritte nimmst Du beim Erhaltungsschnitt vor:
Verjüngungsschnitt/Radikalschnitt
Dieser Schnitt wird bei stark vergreisten, aus der Form geratenen Bäumen durchgeführt. Sind die Bäume zu verwuchert, kann ein starker Rückschnitt die Vitalität wieder ankurbeln. Allerdings ist dieser Schnitt ein starker Eingriff in das Baumwachstum und sollte gut überlegt sein! Bei diesem Schnitt werden:
Diese Punkte gibt es beim Radikalschnitt zu beachten:
Ein sauberer Schnitt ist entscheidend, denn so verringerst Du die Wahrscheinlichkeit für Folgeschäden. Glatte, saubere Schnitte sind zudem von Vorteil für die Wundheilung Deines Obstbaumes. So gehst Du vor:
Der Astring ist die leicht verdickte Zone am Übergang zwischen Ast und Stamm. Hier sitzt das natürliche Wundheilungsgewebe. Wird er beschädigt, heilt die Schnittstelle schlechter.
Reinige und desinfiziere Dein Werkzeug regelmäßig, besonders bei Krankheitsbefall. So verhinderst Du die Übertragung von Erregern.

Hier gilt: Ein ausgewogenes Verhältnis ist entscheidend! Orientiere Dich grob an folgenden Punkten:
Hier rechts haben wir Dir als Orientierungshilfe ein Diagramm zusammengestellt, wie ein professioneller Obstbaumschnitt aussehen könnte. Alle Äste, die weg dürfen, sind hier rot markiert.
Diese Fehler können zu schlechtem Fruchtansatz oder erhöhter Krankheitsanfälligkeit führen.
Bei fachgerechtem Schnitt heilt ein Obstbaum kleinere Wunden selbstständig. Bei größeren Schnittflächen (ab ca. 5 cm Durchmesser) kann in Ausnahmefällen ein geeigneter Wundschutz sinnvoll sein. Achte dabei auf zugelassene Produkte und halte Dich an die Herstellerangaben. Behalte die Schnittflächen im Auge, um frühzeitig einen Befall von Pilzen oder Schädlingen zu erkennen. So kannst Du schnell gegensteuern.
Solltest Du in einer trockenen Periode geschnitten haben, dann sorge für ausreichend Wasser und eine gute Nährstoffversorgung für Deinen Baum. Denn dieser benötigt nun viel Energie, um sich vom Schnitt zu erholen.
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