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Pinzieren (auch häufig 'entspitzen' genannt) bezeichnet das gezielte Entfernen der Triebspitze am Haupttrieb einer Pflanze. Der Begriff leitet sich vom französischen pincer („abzwicken“) ab. Diese Maßnahme dient dazu, das Wachstum zu steuern. Sie dämmt das Höhenwachstum der Pflanze ein und regt zur Bildung von Seitentrieben an. Das Ergebnis ist ein buschiger Wuchs, eine stärkere Verzweigung und mehr Blüten. Besonders Jungpflanzen profitieren von dieser Behandlung.
Das Pinzieren funktioniert wegen der sogenannten Apikaldominanz. Sie beschreibt ein System innerhalb der Pflanze, bei dem der oberste Haupttrieb mittels bestimmter Pflanzenhormone (genannt Auxine) das Wachstum der Seitentriebe hemmt. Wird der Haupttrieb entfernt, sinkt der Auxinspiegel und der Wuchs der Seitentriebe nimmt zu.
Beim Pinzieren wird der Haupttrieb abgezwickt. Benutzt wird hierfür je nach Pflanzengröße eine Schere, eine Pinzette oder ein scharfes Messer. Das Ergebnis ist eine buschige, kompakte Krone und eine attraktive Verzweigung der Pflanze. Auch auf das Blütenwachstum hat diese Maßnahme Einfluss. Du kannst die Blüten- und Fruchtbildung durch Pinzieren fördern. Die Maßnahme sorgt für mehrere, dünnere Seitentriebe, die mehr Blüten tragen.
Oft wird in Ratgebern die Nutzung der Fingernägel zum Pinzieren bei kleinen Trieben angeführt. Diese Variante ist möglich. Wenn es sich einrichten lässt, solltest Du jedoch Messer, scharfe Gartenschere und Co. vorziehen. Damit verminderst Du unnötige Verletzungen und Quetschungen an Deiner Pflanze.
Das Pinzieren kommt besonders häufig bei Zier- und Nutzpflanzen zum Einsatz, die eine bestimmte Wuchsform erhalten oder stärker verzweigen sollen. Auch im Obst- und Gemüsegarten kann Pinzieren helfen, die Fruchtbildung durch Anregen des Blütenwachstums zu verbessern.
Im Gegensatz zu einem Rückschnitt werden beim Pinzieren nur weiche Pflanzenteile, also die Triebspitze und nicht voll entwickelte Blätter, entfernt. Bei einem Rückschnitt können auch ältere, voll entwickelte und verholzte Pflanzenteile entfernt werden.
Pinzierte Pflanzen blühen später als nicht pinzierte Artgenossen. Wundere Dich nach dem Pinzieren also nicht über eine verzögerte Blütephase.
Besonders häufig werden krautige und verholzende Pflanzen pinziert. Ein paar Pflanzen, die Du auf diese Art behandeln kannst, haben wir hier für Dich aufgeführt:
Die genannten Arten sollten im Idealfall als Sämling pinziert werden. Trenne dafür den Haupttrieb ab, sobald die Pflanzen 3 bis 4 Blattpaare aufweisen. Bei den meisten Pflanzen wird beim Neuaustrieb und während der Blütephase pinziert. Das Entfernen von verblühten Pflanzenteilen unterstützt zusätzlich eine lange Blütephase.
Manche Pflanzen wie Dahlien oder Cosmea sollten unbedingt pinziert werden. Andernfalls erhältst Du einen dicken Mitteltrieb, mit wenigen Blüten an der Spitze. Gleiches gilt für Rosen, die nur einen oder zwei Triebe nach dem Einpflanzen zeigen. Für die volle Blütenpracht lohnt sich ein Entspitzen im Mai vor der ersten Blüte. Dabei kann auf bis zu zwei bis drei Blattpaare zurückgeschnitten werden.
Auch Kräuter, wie zum Beispiel Basilikum, profitieren davon. Hier wird mit dem Entfernen der Triebspitzen die Bildung von zähen Blättern verzögert, die nicht so gut schmecken wie die jüngeren Pflanzenteile. Werden die großen Königsblüten von großfruchtigen Paprika oder Auberginen pinziert, fördert das die Blütenbildung.
Natürlich profitieren auch Bonsais von dieser Technik. Allerdings kommt sie nur bei älteren Exemplaren zum Einsatz. Junge Bonsais müssen erst ihre grobe Form finden und ein wenig wachsen, bis mit dem Pinzieren an den Feinheiten gearbeitet werden kann.
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