
Bonsai bezeichnet die traditionelle Kunst, Gehölze in Gefäßen zu kultivieren und durch gezielte Pflege dauerhaft in einer kleinen, bewusst gestalteten Form zu halten. Der Begriff stammt aus dem Japanischen und bedeutet sinngemäß 'Anpflanzung in der Schale'. Bonsai sind dabei keine eigene Art von Bäumen, sondern meist gewöhnliche Gehölzarten, deren Wachstum durch Schnitt, Wurzelpflege und die Gestaltung der Triebe gesteuert wird. Oder kurz: Bonsai bezeichnet eine Wuchsform, keine Baumart oder Gehölzsorte.

Ursprünglich stammt die Bonsai-Kunst aus China. Dort wird die Kunst der Zwergbäume und -sträucher 'Penjing' genannt, zu Deutsch 'Landschaft in der Schale'. Die Kunst entwickelte sich aus der Gartengestaltung der Kaiser in der Han-Dynastie (206 vor Christus bis 220 nach Christus). Die Pflanzung von Gewächsen in Krügen und Schalen war zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt. Zudem ließen sich die Herrscher künstliche Landschaften und Felsformationen in ihren Palastgärten anlegen. Die Kombination aus beiden Elementen legte den Grundstein für den Bonsai.
Die älteste bekannte Abbildung von Miniaturpflanzen in Schalen stammt aus der Tang-Dynastie. Es handelt sich um ein Wandgemälde im Qianling-Mausoleum aus dem Jahr 706 nach Christus. Auf dieser Abbildung tragen Bedienstete Pflanzschalen mit Miniaturen kleiner Landschaften vor sich her.
Über buddhistische Mönche hielt die Bonsai-Kunst im 10. bzw. 11. Jahrhundert ihren Einzug nach Japan. Dort erhielt die Gartenkunst ihren Namen 'Bonsai', der bis heute vorrangig unter Gartenfans verwendet wird. Einen der ersten Kontaktpunkte zwischen westlicher Welt und dem Bonsai bildet die Weltausstellung in Paris im Jahr 1867. Dort konnten viele westliche Besucher:innen Bonsai zum ersten Mal mit eigenen Augen begutachten. Über weitere Weltausstellungen hinweg gewann die Bonsai-Zucht im Westen an Bedeutung und wurde vor allem nach dem zweiten Weltkrieg vermehrt außerhalb Asiens kultiviert.
In ihrer ursprünglichen Form soll die Bonsai-Kunst die Harmonie zwischen Mensch und Natur in verkleinerter Form abbilden. Dabei repräsentiert die Pflanze die Natur, und das Kunstobjekt in Form der Pflanzschale den Menschen. Über einen sorgfältigen Schnitt, eine bewusste Gestaltung und geduldige Pflege werden beide Aspekte in Einklang gebracht und bilden eine ästhetisch ansprechende Einheit.
Bei der Bonsaipflege wird versucht, das natürliche Erscheinungsbild eines ausgewachsenen Baumes auf kleinem Raum nachzuempfinden. Dafür werden Triebe und Äste regelmäßig geschnitten, Wurzeln bei Bedarf zurückgenommen und junge Zweige mithilfe von Draht in die gewünschte Richtung gelenkt. Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wurzelwerk, Krone und Pflanzgefäß. Bonsai benötigen deshalb eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Erde, regelmäßige Wasserversorgung und eine sorgfältige Kontrolle des Wachstums. Je nach Art können sie im Freien oder (bei nicht winterharten Arten) geschützt in Innenräumen kultiviert werden.
Wer seinen Bonsai mit der richtigen Technik pflegt, kann sich lange daran erfreuen. Einige Exemplare können wie die großen Baum-Vorbilder mehrere Hundert Jahre alt werden. Das macht sich auch beim Preis bemerkbar, den professionell gezogene Bonsai auf dem Liebhaber-Markt erzielen können.
Grundsätzlich eignen sich viele verholzende Pflanzen für die Bonsaigestaltung. Für welche sich Gartenfans entscheiden ist teils vom Standort abhängig. So nutzen etwa viele japanische Fans Bäume aus dem asiatischen Raum. Hier ein paar Beispiele:
In Mitteleuropa haben sich neben den oben genannten Arten zusätzlich auch heimische Gehölze wie Fichte und Buche durchgesetzt, die unsere klimatischen Bedingungen gut aushalten. So können Bonsai auch draußen gehalten werden. Auch Zimmerpflanzen lassen sich als Bonsai erziehen. Diese Gestaltungsform wird oft unter dem Begriff Zimmer-Bonsai zusammengefasst. Hier ist allerdings viel Fingerspitzengefühl, Erfahrung und passende Ausrüstung gefragt, da die Haltungsbedingungen perfekt auf den jeweiligen Bonsai abgestimmt sein müssen.
Über die lange Zeit, die die Bonsai-Kunst kultiviert wurde, haben sich bestimmte Grundformen etabliert. Wer seinen Bonsai in eine dieser Grundformen bringen kann, beweist damit sein Können als Bonsai-Profi. Allerdings gibt es kaum international festgelegte Regeln. Selbst innerhalb der Bonsai-Community werden Gestaltungsansätze und Regeln kontrovers diskutiert.
Einige Formen eignen sich für manche Gehölze besser als für andere. Beispielsweise, weil der natürliche Wuchs der Arten dem ideal der jeweiligen Bonsai-Form bereits entspricht. Grob lassen sich Bonsai in drei Kategorien einordnen:
Ein paar der beliebtesten und bekanntesten Formen haben wir hier im einzelnen für Dich aufgeführt:

Diese Form ist einem aufgestellten Besen nachempfunden. Dabei repräsentiert der Stamm den Besenstiel und das obere, fein verzweigte Drittel des Bonsai die Borsten. Am besten eignet sich diese Grundform für Gehölze mit feiner Verzweigung, wie sie oft bei Laubbäumen zu finden ist.

Hier liegt der Fokus auf einem streng aufrechten Wuchs, der gerade nach oben führt. Außerdem fällt der Stamm auf, der an der Basis dicker ausfällt und sich nach oben hin sichtbar verjüngt. Am besten wirkt diese Form laut Profis, wenn die Äste erst ab dem zweiten Viertel des Gehölzes beginnen und so einen Blick auf den stark gewachsenen Stamm freigeben.

Auch bei dieser Form legt der Bonsai-Fan Wert auf einen starken Stamm, der sich nach oben deutlich verschlankt. Die gesamte Wuchsform erinnert anders als bei der strengen Variante grob an ein S und bietet dadurch ästhetisch ansprechende, geschwungene Silhouetten. An jeder Außenbiegung des S sollten die Äste zur Seite entspringen, um das Gesamtbild abzurunden.

Bei der Kaskaden-Form wird der Bonsai nach unten erzogen. Er wächst also wie ein Wasserfall nach unten an der Zuchtschale vorbei. Um die Balance dieses Gebildes zu wahren, wird oft eine hochwandige Pflanzschale benutzt. Wächst der Bonsai nicht den ganzen Weg am Schalenboden vorbei, sondern wächst er eher in einer eleganten Biegung nach unten und zur Seite, spricht der Bonsai-Profi von der Halbkaskaden-Form (jap. Han-Kengai).

Anders als bei den bisher genannten Formen werden hier mehrere Stämme nach oben gezogen. Handelt es sich um einen Doppelstamm, nennt der Profi das auf Japanisch 'Sokan'. Alles ab drei Stämmen und mehr, die aus der gleichen Wurzel sprießen, werden unter dem Namen 'Kabudachi' zusammengefasst. Ästhetisch wird bei dieser Form darauf geachtet, dass der stärkste Stamm am höchsten aufragt und den oberen Abschluss des Bonsai bildet.
Neben diesen Formen gibt es noch viele weitere, die unter Bonsai-Fans beliebt sind. Jede von ihnen erfordert eine angepasste Schnitt-Technik, die den Baum in die gewünschte Form bringt. Dabei muss auf Optik und Gewichtsverteilung gleichermaßen geachtet werden. Sonst kann der Bonsai in seiner Schale umkippen.
Um die gewünschte Form zu erzielen, muss regelmäßig geschnitten werden. Dabei gibt es drei grundlegende Schnittarten, die den Wuchs des Bonsai beeinflussen.
Zum einen der Grund- bzw. Gestaltungsschnitt. Hier werden bestimmte Triebe vom Gewächs entfernt, um den Wuchs bevorzugter Triebe zu fördern. Durch das Führen von Trieben an Draht wird die Wuchsrichtung der verbleibenden triebe gesteuert.
Über den Erhaltungsschnitt werden etablierte Äste und Triebspitzen zurückgeschnitten, um bereits etablierte Formen des Bonsai zu erhalten. Das Fördert zudem eine dichte Verästelung und einen kompakten Wuchs - die ideale Form für einen Bonsai.
Ein Wurzelschnitt fördert hingegen die Verzweigung des Wurzelsystems. Oft wird beim ersten Umtopfen die leitende Pfahlwurzel entfernt. So bildet sich ein gleichmäßiges Wurzelnetzwerk, dass unter anderem für einen sicheren Sitz eines Bonsais in seiner Schale sorgt. Weitere Wurzelrückschnitte geben Platz für frisches Substrat frei, das der Bonsai für einen gesunden Wuchs benötigt.
Ein Bonsai-Profi zu werden erfordert viel Zeit, Geduld und Übung. Damit Du nicht unvorbereitet Deine Reise in die Welt der Bonsai antrittst, haben wir hier ein paar grundlegende Tipps für Dich:
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