Als Südeiche oder Steinfruchteiche werden immergrüne Bäume der Gattung Lithocarpus bezeichnet, die wie unsere heimischen Eichen der Gattung Quercus zur Familie der Buchengewächse gehören. Ansonsten haben die beiden Gattungen nur wenige Gemeinsamkeiten. Die ursprüngliche Heimat der sogenannten Südeichen mit rund 300 Arten ist Ost- und Südostasien. Lithocarpus henryi ist eine in Süd- und Zentralchina beheimatete Art, die um 1900 in die britische Parkanlage Coombe Wood eingeführt wurde. In ihrem natürlichen Habitat wächst diese Südeiche in Monsunwäldern in Höhenlagen von 1.500 bis 2.000 Metern. Der prächtige Baum mit einer ovalen bis runden Krone kann Wuchshöhen von bis zu 15 Metern erreichen. Er wächst mit maximal fünf Zentimetern jährlich allerdings ausgesprochen langsam. Da der Baum nicht winterhart ist, bietet er sich in unseren Breiten ohnehin nur für eine Kultur im Kübel an und bleibt mit nur wenigen Metern Höhe wesentlich kleiner als in der freien Natur. Die Südeiche hat eine dunkelgraue Rinde mit silbernen Flecken, hübsche rote Triebe und attraktive, 10 bis 25 Zentimeter lange, mittelgrün glänzende Blätter. Die Blätter mit ihrer ledrigen Textur sind oval, an beiden Enden zugespitzt, stehen an kurzen Stielen und sind vollkommen glattrandig. Die weiblichen Blüten der Eiche sind unscheinbar. Die männlichen zeigen sich jedoch in Form von endständigen Kätzchen in einem weißlichen Gelb, die in dichten Büscheln an den Zweigen stehen, recht attraktiv sind und im April und Mai erscheinen. Die Kätzchen duften süßlich und sind ein Magnet für Honig- und Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere nützliche Insekten.
Die Früchte der Südeiche, die tatsächlich den heimischen Eicheln nicht unähnlich sind, stehen mehrzählig an verholzten Ähren und sitzen in Fruchtbechern. Sie bilden sich allerdings erst an Bäumen höheren Alters. Sie benötigen ganze zwei Jahre bis zur Reife, wobei nicht jede Frucht die Vollreife erlangt. Die Eicheln sind dunkelbraun wie Kastanien und sie haben eine runde, gedrungene Form. Im Wachstum sind sie fast vollständig von ihrem Fruchtbecher umhüllt. Zur Reife überragt das zugespitzte Ende der Frucht um etwa zwei Drittel den Becher, bis sie schließlich zu Boden fällt. Der Gattungsname Lithocarpus geht auf die Früchte der Südeiche zurück. Er bedeutet so viel wie Steinsamen, denn die Eicheln der Südeiche haben eine außerordentlich harte Schale. Manche von ihnen sind nach gründlicher Wässerung, um Tannine und Bitterstoffe zu lösen, essbar.
Lithocarpus henryi benötigte einen frischen bis feuchten, normalen, humosen, nährstoffreichen, neutralen bis leicht sauren Boden, der gut durchlässig sein muss, denn Staunässe verträgt die Steinfruchteiche nicht. Es ist ratsam, ein ausreichend großes Pflanzgefäß mit Wasserabfluss zusätzlich mit einer Drainage aus Kies oder Blähton zu versehen. Die Südeiche kann mit gekonnten Schnitten von geübten Gärtnern zu einem Bonsai erzogen werden. Ein lehmiges Substrat kann dabei hilfreich sein, denn es lässt die Wurzeln langsamer wachsen. Die Südeiche muss bei einer Kultur im Kübel konstant feucht gehalten werden, denn da bei dem immergrünen Baum kein Laubwechsel stattfindet, ist sie recht durstig. Ausgewachsene Exemplare der Südeiche Lithocarpus henryi kann man im Süden Frankreichs und Großbritanniens entdecken, wo sie sich unter meist professioneller Pflege in einem frostfreien Klima gut entwickeln können. Die meiste Henry-Eichen wurden jedoch im Woodlanders Nursery im US-Bundesstaat South Carolina gepflanzt.
