Die Schmalblättrige Nachtkerze ist dank mehrerer ungewöhnlicher Eigenschaften eine besondere, naturnahe Attraktion für den Garten und stellt dabei kaum Ansprüche an Standort und Pflege. Im ersten Standjahr zeigt sie sich bescheiden als grundständige Blattrosette, die einen hübschen aber unauffälligen mittelgrünen Bodendecker aus einfachen breit lanzettlichen Blättern mit glattem oder leicht gezähnten Rändern abgibt. Sie überwintert in dieser Form und treibt dann im nächsten Jahr einen geraden aufrechten Stängel aus, der 20 bis 90 cm hoch werden kann, in Mitteleuropa aber meist zwischen 30 und 60 cm bleibt. Dieser zeigt eine interessante rötlich grüne bis purpurfarbene Farbe. Im Juni bildet die Oenothera fruticosa an seinem Ende rote Knospen aus, die sich in der Blütezeit jeden Tag kurz nach Sonnenuntergang in einer sichtbaren fließenden Bewegung öffnen und am Vormittag wieder schließen. Der Öffnungsvorgang dauert nur wenige Minuten und ist ein herrlicher Ausklang für einen entspannten Sommertag im Garten. Nach etwa 20 Minuten gesellt sich zu dem attraktiven Anblick der leuchtend gelben 2,5 bis 5 cm großen Blüten ein intensiver süßer Duft, der Bienen und Schmetterlinge als Bestäuber in den Garten lockt. Die Hauptblütezeit der Schmalblättrigen Nachtkerze ist im Juli und August. Einzelne Exemplare blühen im Juni und Spät- und Nachblüten sind bis zum ersten Frost möglich.
Typische Verwendungsformen der Schmalblättrigen Nachtkerze sind die Pflanzung als Blickfang in Rabatten und in Staudenbeeten. Sie kommt auch als Insektenweide und in Blumenwiesen zum Einsatz. Die Pflanzung kann einzeln, in Tuffs von drei oder fünf Exemplaren oder auch in größeren Gruppen erfolgen. Letzteres sieht bei geöffneten Blüten besonders beeindruckend aus, kann jedoch außerhalb der Blütezeit und nachmittags etwas eintönig wirken. Häufig findet man die Pflanze in Bauerngärten, Kiesgärten und Steingärten. Auch die Verwendung in Naturgärten kommt vor, wobei jedoch zu beachten ist, dass Oenothera fruticosa eigentlich im östlichen Nordamerika beheimatet ist. Zahlreiche andere Nachtkerzenvarianten sind bereits seit dem 17. Jahrhundert in Deutschland heimisch.
Es ist ratsam bei der Pflanzung der Schmalblättrigen Nachtkerze etwas Abstand von Sitzbereichen und nachts geöffneten Fenstern zu halten, da der Duft der geöffneten Blüten von manchen Menschen als zu intensiv empfunden wird. Sie selbst ist wenig wählerisch, was ihren Standort betrifft. Die Pflanze hat es gerne sonnig und warm, kommt aber auch im Halbschatten zurecht und ist bis -34 °C winterhart. Das Substrat sollte trocken bis frisch oder maximal feucht und gut durchlässig sein. Ideal sind tiefgründige Sandböden, in die ihre Pfahlwurzel tief eindringen kann. Diese dürfen gerne nährstoffarm sein. Oenothera fruticosa verträgt auch mäßig nährstoffreiche Böden. Beim pH-Wert bevorzugt sie saure Substrate, kann sich aber gut an neutrale und alkalische Untergründe anpassen und steckt sogar abrupte Veränderungen weg. Sie gilt als widerstandsfähig gegen Trockenheit und Hitze, sollte aber durch eine Wurzelsperre gegen ausbreitungsfreudige Pflanznachbarn abgeschirmt und durch regelmäßiges Jäten vor Unkraut geschützt werden. Es reicht aus sie einmal jährlich Ende März oder Anfang April zurückzuschneiden. Lässt man ihre Samenstände nach dem Vertrocknen stehen, neigt die Schmalblättrige Nachtkerze zur Selbstaussaat, wobei es zur Ausbildung von Hybriden kommt, die andere Eigenschaften als die Mutterpflanze aufweisen.




