Der Ahorn wird auch als Wilson-Ahorn bezeichnet. Der in China gebräuchlicher Name, der offensichtlich auf die markante Blattform zurückgeht, bedeutet Drei-Schluchten-Ahorn. Die ursprünglichen Herkunftsgebiete der in freier Natur bis zu 15 Meter hoch wachsenden Bäume sind einige chinesische Provinzen in der Mitte, im Süden und im Südosten des riesigen Landes sowie Myanmar, Thailand, Vietnam und Tibet. Synonyme für Acer wilsonii sind Acer angustilobum Hu, Acer sichourense sowie Acer pseudowilsonii. Dieser Ahorn wächst in seiner Heimat bevorzugt in Wäldern in Höhenlagen zwischen 900 und 2000 Metern. Er gehört, wie alle mehr als 120 Ahorn-Arten, zur Ordnung der Seifenbaumartigen, zur Familie der Seifenbaumgewächse und zur Unterfamilie der Rosskastaniengewächse. Von gärtnerischem Interesse sind vor allem kleinwüchsige, gezüchtete Ahorns-Sorten. Eine sehr beliebte Sorte ist etwa der Fächer-Ahorn 'Wilson's Pink Dwarf', der unter der botanischen Bezeichnung Acer palmatum 'Wilson's Pink Dwarf' im Fachhandel angeboten wird, damit nicht direkt verwandt mit Acer wilsonii ist und mehr in Strauch- als in Baumform wächst. Diese Sorte erreicht lediglich Wuchshöhen von drei Metern und Wuchsbreiten von zwei Metern.
Der Wilson-Ahorn in seiner natürlichen Form ist bislang noch ein seltener Anblick in heimischen Gärten. Mit einer langsamen Wuchsgeschwindigkeit von maximal 15 Zentimetern pro Jahr bleibt er als Kulturpflanze auf jeden Fall kleiner als in seinem natürlichen Habitat und ist damit gut als exotischer Zierbaum geeignet. Der Flachwurzler verfügt, vor allem als junger Baum, nur über eine bedingte Winterhärte bis maximal -17° C und ist deshalb für raue und kalte Standorte weniger geeignet. Zudem bevorzugt Acer wilsonii einen vor starken und kalten Winden geschützten Platz, gern auch geschützt durch benachbarte Büsche und Bäume oder durch Mauern und Häuserwände. Der Wilson-Ahorn kann durchaus in einem Kübel kultiviert oder als Bonsai erzogen werden. Mitunter sind im Gartenhandel Samen des Wilson-Ahorns erhältlich, sodass ein kleiner Baum über einen längeren Zeitraum herangezogen werden kann. Der Ahorn bevorzugt einen frischen bis feuchten, lockeren, humosen, sauren bis schwach alkalischen Boden, in dem sich keine Nässe staut. Der Standort für den fernöstlichen Ahorn sollte sonnig oder halbschattig sein. Salzige Böden verträgt er nicht. Sein Wasserbedarf kann als normal bezeichnet werden, wobei er direkt nach der Pflanzung gut gewässert werden muss. Eine Gabe Kompost im Frühjahr nimmt der exotische Laubbaum dankbar an.
Der Wilson-Ahorn zeichnet sich durch ein lichtes und lockeres Blattwerk aus. Besonders gut kommt er in einem japanischen oder mediterranen Garten zur Geltung. Die Blätter sind dreizählig gelappt, haben einen oval geformten unteren Abschluss, sind glattrandig oder nur sehr schwach gezähnt und glänzen angenehm mittelgrün. Sie hängen an weit verzweigten, dünnen, hellgrünen oder rötlichen Trieben. Die eher unscheinbaren, traubigen und aufrechten, grünlichen Blütenstände mit kleinen Einzelblüten erscheinen ab April parallel zum Blattaustrieb und locken nützliche Insekten an. Einen besonders imposanten Anblick bietet Acer wilsonii mit seinen voll ausgebildeten Fruchtständen, die lose wie Girlanden herabhängen. Sie setzen sich aus vielzähligen, erst grünen und später gelblichen, paarweise geflügelten Spaltfrüchten zusammen, die bei Reife vom Wind fortgetragen werden und sich wie kleine Propeller drehen. Das Laub des Wilson-Ahorns verfärbt sich im Herbst in ein atemberaubendes Rot, das den Garten zum Leuchten bringt.
